Walter M. Rammler – The last shooting

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  • Juli 14, 2013

news-0004-01Ein erstes und ein letztes Mal

FULDA (MK). Ein letztes Mal fotografiert Walter Rammler in seinem Atelier in der Glenn-Miller Straße. Die entstandenen Kunstwerke werden in der Ausstellung „The last Shooting“ am Freitag, 28. Juni, um 19 Uhr im Vonderau Museum bei einer öffentlichen Vernissage enthüllt.

Von Stefanie Krauß

Fotograf ist Walter Rammler aus Leidenschaft, und das schon jahrelang. Seine Bilder sind Kunstwerke und doch gibt es für den „alten Rammler“ im Geschäft gelegentlich neue Erfahrungen. Einen dieser Geistesblitze verewigt Rammler in seiner Ausstellung „The last shooting“ in der Glenn- Miller-Straße 1, die im Vonderau Museum präsentiert wird. Die Ausstellung enthüllt viel Privates, nicht nur vom Aktmodel auf den Abbildungen, sondern auch aus Rammlers Leben selbst. Auch dadurch entfaltet sich die Magie des Augenblicks.

Im Bann der Vergangenheit
Das letzte Mal fotografierte er in seinem ersten Atelier – dem ehemaligen Kino der amerikanischen Soldaten im Münsterfeld – das erste Mal tat er dies, weil er seinem Bauchgefühl folgte und dem Bann des Gebäudes, dem er sich nicht entziehen konnte: „Ich merkte, dass ich mich noch nicht abgenabelt hatte und fuhr nicht ganz zufällig eines Abends vorbei, betrat die Halle und war völlig begeistert vom Licht und der Atmosphäre“, bekundet der Fotograf mit einem besonderen Funkeln im Auge. Im Kopf hatte Rammlers Bauchgefühl schon konkrete Bilder entworfen, die es nun nur noch zu fotgrafieren galt. Nach drei Abenden waren alle Fotografien im Kasten. „So schnell hatte ich zuvor noch nie eine Ausstellung bewerkstelligt“, erinnert sich Rammler an diesen besonderen Moment.

Ohne Schnörkel und Hüllen
Das Ergebnis sind 16 Fotografien, die eine nackte Frau im einzigartigen Spiel von Licht und Schatten zu Kunst inszenieren. Den Effekt erzielen die Bilder nicht mit Farbe oder oppulenter Requisite, sondern vielmehr durch den Charme der nackten Halle, der Rammler zum letzten Mal sein Leben einhaucht. Das Model sieht man auf manchen Fotos erst auf den zweiten Blick, muss es förmlich suchen, weil sich das Auge des Betrachters verfängt in der unaufdringlich dominanten Kulisse des Industriebaus.

Das erste eigene Atelier
Jeden Winkel der Halle kennt Walter Rammler; wann und woher das Licht den Saal am vorteilhaftesten durchflutet, weiß er zu genau. Nicht verwunderlich, begleitete ihn die Lokalität 16 Jahre seiner Karriere als selbständiger Fotograf, gab ihm Raum für Kreativität und Inspiration. „Das Atelier war immer voller Leben – mit ihm sind unzählige Erinnerungen verbunden“, sagt Rammler. Viele von ihnen sind eingefangen in seinen Fotografien. „Ich mochte die Räumlichkeiten“, erklärt er, „doch im Laufe der Jahre hat sich die Branche verändert: die Dinge werden nicht mehr zu mir gebracht, sondern ich komme zu den Motiven, wodurch die Bilder viel authentischer werden.“ Diese kreative Wende sieht Rammlers Zunft eher wohlwollend. Doch als Reaktion darauf verkaufte er „sein Kino“ und fühlt sich in Fotostudio am Luckenberg zu Hause. Doch „The last Shooting“ war wichtig, als „Abnabelungsprozess“. Einige Bilder aus der Serie wurden bereits verkauft – an den neuen Eigentümer des Kinos. Die Geschichte um das Gebäude mit Charakter schlägt ein weiteres Kapitel auf, vergisst dabei jedoch nicht das Vergangene.

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