Vier Varianten für Rathaus-Sanierung

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  • September 26, 2013

Rathaus18.09.2013 – LAUTERBACH

Planungen für Gebäude Marktplatz 12, 14 und An der Kirche 1 / Kosten zwischen 3,7 und 4,1 Millionen Euro

(cke). Um nach dem Rückzug des Investors Gustav Stabernack neue Möglichkeiten für die Rathaus-Sanierung zu erkunden, beschlossen die Fraktionen der Lauterbacher Stadtverordnetenversammlung im März einen gemeinsamen Antrag, auf dessen Grundlage das Vorhaben unter städtischer Regie realisiert werden soll. Aufgehoben wurden darin die Beschlüsse vom September des vergangenen Jahres, in denen eine Kooperation mit dem Lauterbacher Unternehmer verabschiedet worden war. Beschlossen wurde mit dem neuen Antrag zudem, dass sich der interfraktionelle Arbeitskreis „Rathaussanierung“ auflöst und stattdessen der Magistrat beauftragt wird, Vorschläge zur Sanierung zu erarbeiten. Darin sollten unterschiedliche Parameter und Fragen abgearbeitet werden. Unter anderem sollte geprüft werden, ob sämtliche Abteilungen der Verwaltung im Rathaus („Marktplatz 14“) untergebracht werden können und dafür ein Anbau im Hinterhof nötig wäre. Des Weiteren sollte geprüft werden, ob auf einen Sitzungssaal zu verzichten wäre und alternative Räumlichkeiten für Versammlungen zur Verfügung stehen.

Inzwischen liegen Ergebnisse vor, die innerhalb der Verwaltung von den Fachbereichsleitern und dem Bürgermeister in Zusammenarbeit mit Architekt Stephan Mölig erarbeitet wurden. Entstanden sind aus den Überlegungen vier Varianten wie die Fachbereiche und Büros künftig angesiedelt werden können, die in die Sanierung allesamt die Gebäude „Marktplatz 12 und 14“ sowie das angrenzende Gebäude „An der Kirche 1“ (Gesamtfläche von rund 1800 Quadratmetern) einbeziehen und eine Erreichbarkeit der wichtigsten Etagen über einen Aufzug vorsehen. Bei allen Varianten soll zudem der Eingangsbereich des bisherigen „reinen Verwaltungszwecksbaus“ (Architekt Stephan Mölig) transparenter und besucherfreundlicher werden. Ein behindertengerechter Eingang ist seitlich am Gebäude „Marktplatz 14“ vorgesehen.

Künftig nicht mehr genutzt würde laut den Varianten die Hintergasse 3, in der zurzeit das Bürgerbüro untergebracht ist. Ohne Nutzung bliebe bei allen Varianten auch das Hohhaus. Lediglich bei Variante 3 und 4 wird eine Nutzung des Hohhauses als möglich erachtet, die von künftigen Konzepten und Entwicklungen abhänge.

Nachdem sich Magistrat und Ältestenrat mit den vier Varianten befasst haben, erhielten auch die Fraktionen die entsprechenden Vorschläge schriftlich zur Kenntnis und hatten die Möglichkeit, sie sich vom Architekten erläutern zu lassen. Am Dienstag, 24. September, soll sich der Bauausschuss damit befassen. Favorit in den Gremien ist bisher „Variante 4“.

Nicht üppig, eher minimalistisch, „spartanisch“ sind die Varianten allesamt, wie Mölig und Bürgermeister Rainer-Hans Vollmöller auf Anfrage erläuterten. Der Kostenrahmen bewegt sich bei allen vier Vorschlägen zwischen 3,3 bis 3,7 Millionen Euro, hinzukommen 300 000 Euro für die Ausstattung und rund 100 000 Euro für „Logistik“ – den Umzug der Verwaltung während der Sanierung und die Kosten für die Anmietung von Räumen während dieser Zeit. Zum Vergleich: Für die Sanierungs-Varianten mit der privaten Projektentwicklungsgesellschaft OFB und mit Investor Gustav Stabernack waren rund sechs beziehungsweise rund fünf Millionen Euro veranschlagt worden.

Die Varianten

Variante 1 der neuen Planungen sieht vor, das Touristcenter und das Bürgerbüro im Erdgeschoss des Rathauses unterzubringen, der Sitzungssaal würde dadurch entfallen. Sitzungen der städtischen Gremien könnten im Hohhaus-Museum stattfinden, was den Nachteil hätte, dass kein barrierefreier Zugang vorhanden wäre. Im jetzigen Sitzungssaal würde wie bei den Varianten 2 und 3 ein Durchgang zum Gebäudeteil Marktplatz 12 entstehen. Knackpunkt laut Architekt und Bürgermeister sind hier insbesondere fehlende Lagermöglichkeiten für Touristcenter und Bürgerbüro, zudem sieht diese Variante keine Raumreserven vor.

Variante 2 verlagert ebenfalls das Bürgerbüro ins Erdgeschoss des Rathauses, wo auch ein Raum für die Politessen vorgesehen ist. Das Touristcenter bleibt in der Stadtmühle. Der Sitzungssaal würde hier ins erste Obergeschoss des Gebäudes „Marktplatz 12“ verlegt und sich mit einer Empore bis ins zweite Obergeschoss erstrecken. Das Ebelzimmer, das derzeit für Sitzungen und Besprechungen dient, würde zum Büro, Registratur und Archiv wären ohne Aufzug über eine Wendeltreppe im Spitzboden des Rathauses untergebracht. Auch bei dieser Variante gebe es keine Raumreserven.

Bei Variante 3 erstreckt sich der Bereich des Bürgerbüros komplett auf das Erdgeschoss. Ein Sitzungssaal entfällt. Die Stadtmühle bleibt Standort des Touristcenters, das Ebelzimmer bleibt Besprechungszimmer und würde zudem als Trauzimmer genutzt.

In Variante 4 bleibt das Touristcenter ebenfalls in der Stadtmühle, auch wenn hier eine spätere Verlagerung in den Sitzungssaal nicht ausgeschlossen ist. Das Erdgeschoss würde bei diesem Vorschlag auch künftig den Sitzungssaal beherbergen, der bei Bedarf durch eine mobile Trennwand auch in Trauzimmer und Besprechungszimmer aufgeteilt werden könnte. Das Bürgerbüro würde sich auf Erdgeschoss und erstes Obergeschoss verteilen.

Das Gebäude „An der Kirche 1“ in die Planungen miteinzubeziehen und nicht zu vermarkten, so wie es bei der Sanierungslösung mit Gustav Stabernack geplant gewesen war, begründete Architekt Mölig zum einen mit dem guten Zustand des Hauses, das erst 1997 saniert worden sei. Zum anderen sei nur ein geringer Verkaufserlös zu erwarten, zumal das Gebäude über keine eigene Heizung verfüge. „Wir haben hier wenig Investitionsbedarf, zirka 10 000 bis 30 000 Euro für viel Raum“, so Mölig.

Für die weitere Nutzung der Stadtmühle als Büro- und Verwaltungsgebäude spreche deren Aufbau. Zwar sei der repräsentative Bau wegen seiner schönen Lage auch für Gastronomie oder Einzelhandel denkbar, aber die Mehrgeschossigkeit und das fehlende Schaufenster sprächen gegen eine lohnende Vermarktung für Geschäftsleute.

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