Unternehmer-Initiative: 200 Studierende sind das Ziel

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  • April 09, 2015

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Foto (neuraum): Das frühere Amtsgericht. Hier soll die Hochschul-Außenstelle ihren Platz finden.

LAUTERBACH – 27.03.2015

Lauterbacher Außenstelle der THM soll zum Herbst-/Wintersemester 2016 starten


(bl) Die Pläne, eine Außenstelle der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) in Lauterbach zu etablieren, sind in den letzten Wochen weit gediehen. „Nachdem wir Mitte Dezember mit dem Vorhaben an die Öffentlichkeit gegangen sind, hat sich gezeigt, dass das Interesse gerade in der Bevölkerung sehr groß ist.“ Dies unterstrich gestern Vormittag Norbert Jäger, Geschäftsführer der Alpha GmbH, bei einem Pressegespräch. Daran nahmen Dr. Christian Rohm, Vorstandsvorsitzender der Duo Plast AG und Norbert Lautenschläger, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Lauterbach-Schlitz eG, zwei weitere Mitstreiter teil.
Dr. Tom Giesler (Geschäftsführer der STI Group), Gustav Stabernack (geschäftsführender Gesellschafter der Stabernack Holding) sowie Stephan Mölig (geschäftsführender Gesellschafter der neuraum GmbH) ergänzen diese unternehmerische Initiative, die zum Herbst-/Wintersemester 2016 in den Räumen des ehemaligen Amtsgerichts in der Königsberger Strasße die ersten Studierenden begrüßen will. Die Umgestaltung des „sehr exponierten“ Gebäudes ist Jägers private Initiative. Die Planungen seien abgeschlossen, so dass kurzfristig der Bauantrag gestellt und mit dem Vorhaben begonnen werden könnte.
„Deadline ist für uns der 30. Juni 2015. Dann müssen wir alles unter Dach und Fach haben, damit wir das Vorhaben umsetzen und planmäßig starten können“, sagte Jäger, der von einem „sehr erfreulichen“ Gespräch mit Boris Rhein berichten konnte, dem hessischen Minister für Wissenschaft und Kunst. Die Eigeninitiative und das Engagement der Lauterbacher Unternehmer sei sehr positiv aufgenommen worden. Jäger: „Die neuen Zielsetzungen der Landesregierung sind genau auf die Stärkung von Kooperationen zwischen Fachhochschulen und Unternehmen ausgerichtet.“ Unterstützung finde man auch bei den IHKs Gießen-Friedberg und Fulda.
Vor dem Hintergrund, „dass eine solche Hochschulansiedlung ein komplizierter Prozess ist, der erhebliche Abstimmungsarbeiten mit den anderen Gruppen notwendig macht“, habe es vor Kurzem ein weiteres Treffen gegeben, „das einen Meilenstein in der Projektentwicklung darstellt“. Dr. Rolf Bernhardt, Ministerialdirigent und Leiter der Abteilung Hochschulen und Forschung im Wiesbadener Ministerium, sei der Auffassung gewesen, „dass ein Hochschulprojekt in Lauterbach versucht werden könnte, wenn sich die Hochschulen abstimmten und einigen könnten. Dr. Rohm: „Wir haben uns darauf verständigen können, einen Studiengang Maschinenbau in Lauterbach einzurichten. Als Schwerpunktbereich könnte interessierten Studierenden dann Verpackungstechnologie angeboten werden.“ Weil bei dem Projekt ein besonderer Wert auf Nachhaltigkeit gelegt werde, sei jedoch ein zweiter Studiengang nötig. Hier wolle man neben der Bedarfserfassung mit einer Resonanzabfrage die Interessenlage der regionalen Wirtschaft erfragen. Jäger: „Nach den Osterferien sollen Unternehmen in den IHK-Kammerbezirken Gießen-Friedberg-Vogelsberg und Fulda befragt werden, daneben auch Firmen der Verpackungsbranche in ganz Deutschland.“ Die drei hoben hervor, „dass eine ausreichende Nachfrage nach Studienplätzen durch Unternehmen und Schüler aus der Region für eine Hochschul-Ansiedlung in Lauterbach extrem wichtig sei. Die Firmen sollten gerade im Hinblick auf den zukünftigen Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften überlegen, ob ein oder mehrere Ausbildungs- beziehungsweise Studiengänge angeboten werden können. Um die Außenstelle der THM Gießen tragfähig zu gestalten, wären zunächst einmal 100 Studierende nötig. „Das Ziel sind 200, die Kapazität reicht für 400“, so Jäger.
Betont wurden gestern erneut die Vorteile dieses „Studium Plus“, eines dualen Ausbildungssystems: „Die Unternehmen sind quasi Partner der THM, und den jungen Leuten aus unserer Region wird eine wirklich gute Chance geboten, in Theorie und Praxis eine qualifizierte Ausbildung zu absolvieren“, betonte Rohm. Denn bevor sich der Studierende einschreibe, unterzeichne er einen Ausbildungsvertrag.
Lautenschläger zufolge ist für April die Gründung eines Fördervereins geplant, der offen für weitere Partner und Unterstützer ist. „Denn wir wollen eine möglichst breite Akzeptanz und Unterstützung auf allen Ebenen erreichen.“
Die Etablierung einer Hochschul-Außenstelle soll übrigens nur ein erster Schritt eines umfassenden Konzeptes sein. Der von Dr. Tom Giesler erarbeitete Entwurf eines „Masterplans“ mit einem so genannten „Haus der Möglichkeiten“ in Lauterbach werde derzeit in der Gruppe weiterentwickelt und soll in Kürze vorgestellt werden. Mann wolle die Wirtschaftskraft der Region wieder nach vorne bringen, so das erklärte Ziel.

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