„L4“ Stadtentwicklung: Elf Wohnungen für „Jung und Alt“ auf dem ehemaligen „Keutzer-Gelände“

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  • März 27, 2017

153_neuraum01 (Foto: neuraum)

LAUTERBACH – 24.12.2016

30 Interessenten für die Altstadt-Wohnungen

(von Claudia Kempf) Für „L4“, das aktuelle Bauvorhaben des Lauterbacher Investors Gustav Stabernack laufen die Arbeiten auf Hochtouren. Auf dem Areal des ehemaligen „Gasthofs Keutzer“ in der Lindenstraße 4 und zwei Nachbargrundstücken baut der geschäftsführende Gesellschafter der Stabernack Holding elf exklusive Wohnungen. Und obwohl das Objekt noch ganz am Anfang steht, hat er bereits rund 30 Anfragen Interessierter, die gerne Mieter der zentral gelegenen Wohneinheiten werden möchten. „Die Resonanz ist groß“, freut sich Gustav Stabernack beim Baustellen-Besuch mit seinem Architekten Stephan Mölig.

Die unmittelbare Nähe zum Marktplatz, zu Ärzten, zur Apotheke, zu Bäcker, Metzger und Nahkauf-Markt zeige, dass die Wohnungen sowohl für ältere Menschen als auch für jüngere Familien attraktives Lebensumfeld seien. Für das Ensemble „L4“, das nach seiner Fertigstellung ein weiterer attraktiver „Stadtbaustein“ sein wird, wurden im Spätsommer bereits die baufälligen Häuser in der Hainigstraße 8 und 10 sowie der Saalbau der ehemaligen „Keutzer“ Gaststätte abgerissen. „Trotz ‚Ensembleschutz‘ des Denkmalamtes konnten wir auch mit Zustimmung des Kreisbauamtes – allerdings erst nach längeren Betrachtungen – den Abriss der baufälligen Gebäudeteile an der Hainig- und Lindenstraße erreichen. Leider sind wir durch die Zeitverzögerung in die Winterzeit für den Neubau hinein gekommen“, bedauert der Unternehmer. Erschwerend habe sich nach dem Abriss das vorgefundene „historische Lauter-Schwemmland“ erwiesen, da umfangreiche Baugrunduntersuchungen und Bodengutachten erstellt werden mussten. „Historisch betrachtet war auf unserem Baugrund der ehemalige Lauter-See, der erst nach Flussvertiefungs- und Uferbefestigungsmaßnahmen des oft über die Ufer tretenden Flusses zum Austrocknen gebracht wurde. Heute ist deshalb festzustellen, dass die Stadterweiterung außerhalb der Stadtmauern mit kleinen flach gebauten Fachwerkhäusern auf Schwemmland – das heißt weitgehend ohne Keller wegen des hohen Grundwasserspiegels – erfolgt war. Gerber- und Leinenweberfamilien gingen ehemalig am See ihrem Gewerbe nach, denn sie brauchten Wasser vor der Haustür“, erinnert Stabernack an die Geschichte dieses Stadtviertels, in dem sich hauptsächlich die ärmeren Leute niederließen. Für eine solide Baugrundbefestigung des neuen Projektes hätten viele Kubikmeter Beton tief im Schwemmland verankert werden müssen, damit das Bauwerk dauerhaft stabil bleibe, betonen Investor und Architekt.

Die elf Wohnungen, die im sanierten „Gasthof Keutzer“ und einem direkt daran anschließenden Neubau Platz haben werden, sind zwischen 50 und 90 Quadratmeter groß. Das Ensemble soll modernste Architektur und Technik bieten. Alle Wohnungen werden über eine Terasse oder einen Balkon verfügen, die alle zu einem großen Garten ausgerichtet sind. Neun der elf Wohnungen sind barrierefrei. Über einen Lift ist der Zugang zu allen Stockwerken und dem Keller möglich. Autostellplätze gibt es vor dem Haus an der Hainigstraße. Im „L4“ soll es im ehemaligen „Gastraum Keutzer“ das „Strolchenzimmer“ geben, einen Gemeinschaftsraum, der den Mietern für Zusammenkünfte und Feierlichkeiten zur Verfügung stehen wird.

Eigentümer ist Gustav Stabernack inzwischen auch des benachbarten baufälligen Hauses „Löbersgasse 1“, in dem bis vor Kurzem Damem dem „ältesten Gewerbe der Welt“ nachgingen. Inzwischen ist es geräumt und steht leer. Was aus dem windschiefen kleinen Haus wird, das laut neuraum-Architekt Mölig um 1800 erbaut wurde, ist noch ungewiss. „Ein Gutachten soll Aufschluss darüber geben, ob die Bausubstanz erhaltenswert ist oder nicht“, kündigt Mölig an.

Benannt hat Stabernack sein neuestes städtebaulich bedeutsames Projekt „L4“. Der Unternehmer bevorzugt kurze, prägnante Namen für seine Bauten. Im Frühjahr dieses Jahres war sein drittes, für die Innenstadt relevantes Sanierungsobjekt eingeweiht worden, das ehemalige AKA-Kaufhaus, das er zum modernen Wohn- und Geschäftshaus am Marktplatz umgebaut hatte und das er knapp „M19“ betitelte. Weitere Projekte in den vergangenen Jahren waren die Umsetzung von „Wohnen am Park“, bei dem auf dem ehemaligen Gelände der Schreinerei Wacker und in der denkmalgeschützten energetisch sanierten „Eichbergmühle“ 14 Wohnungen entstanden sind. Außerdem sanierte Stabernack den Gebäudekomplex Rockelsgasse 17, der einst als Krankenhaus und später bis zu seiner Räumung wegen Hausschwamms als Wohnhaus genutzt wurde. In diesem „Schmuckstück“ sind vier Miet-Wohnungen entstanden, die ebenfalls in diesem Jahr bezugsfertig waren.

Dass er sich nun erneut städtebaulich in der Kreisstadt engagiert, ist sehr erfreulich und keineswegs selbstverständlich, zumal ihm in der Vergangenheit für sein Unternehmertum nicht immer nur positive Reaktionen entgegenschlugen.

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neuraum_p054_13So soll das Gebäude in der Lindenstraße einmal aussehen. (Plan: neuraum)

 
neuraum_p054_12Ein Garten ist auf der Rückseite vorgesehen. (Plan: neuraum)

 

neuraum_p054_11Ob sich der Erhalt der Bausubstanz des windschiefen Häuschens „Löbergasse 1“ lohnt, das sich rechts an das schön sanierte Fachwerkhaus anschließt, soll ein Gutachter ermitteln. (Foto: neuraum)

 

neuraum_p054_10Der Aufzugschacht ist schon erkennbar. (Foto: neuraum)