„L4“ Stadtentwicklung: Denkmal für Lauterbach

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  • August 23, 2017

neuraum_P054_23Zur Hainigstraße hin soll demnächst ein Denkmal den heiligen Simplicius würdigen, der auch das Lauterbacher Stadtwappen ziert. (Foto: neuraum)

LAUTERBACH – 19.08.2017

Gustav Stabernack kündigt an, den heiligen Simplicius aus dem Stadtwappen ehren zu wollen

(ws) Beim Richtfest seines Gebäudes mit altengerechten Wohnungen kündigte Investor Gustav Stabernack an, dem heiligen Simplicius in der unteren Hainigstraße ein Denkmal zu setzen.Simplicius ziert in einer Ritterrüstung das Stadtwappen der Kreisstadt Lauterbach. Als Standort ist ein kleiner Platz dem Lindenbaum vor dem Frisörsalon gegenüber vorgesehen, der durch die Neubebauung des früheren Gasthauses Keutzer und des Ersatzbaus für das Haus Löbersgasse 1 entsteht. Das windschiefe Häuschen in der Löbersgasse hatte abgerissen werden müssen.

Gustav Stabernack, der bereits dem Strolch ein Denkmal gesetzt hat, ist der heilige Simplicius auch deshalb ans Herz gewachsen, weil er für die Verbindung seiner Heimatstadt Lauterbach und Fulda, der Heimatstadt seiner Enkel, steht. Die alte Straße, die den Vogelsberg mit Fulda verbindet, ist da für ihn der richtige Standort. Die Anordnung der Gebäude mit den seniorengerechten Wohnungen schafft dabei ein repräsentatives Plätzchen.

Simplicius soll von der Steinmetzfirma Schmalz in Sandstein Gestalt erhalten. Für den Sockel bittet Gustav Stabernack um Unterstützung der Stadt Lauterbach und der Baufirma Metzendorf. Beide sollen noch über Basaltbestände aus dem Bilstein verfügen, auf denen jetzt der Heilige sicheren Stand finden könnte.

Simplicius und seine Brüder Faustinus und Rufus waren als christliche Märtyrer in Rom unter Kaiser Diokletian gefoltert und enthauptet worden. Ihre Leichen wurden von ihrer Schwester Beatrix aus dem Tiber gezogen und bestattet. Kurz darauf starb auch Beatrix den Märtyrertod. Reliquien der Geschwister wurden um 682 von Papst Leo II. in der Kirche Sankt Bibiana verwahrt. Der heilige Bonifatius brachte schließlich Reliquien von Beatrix, Faustinus und Simplicius in seine Klosterkirche nach Fulda. Im 16. Jahrhundert wählte Fulda die drei Märtyrergeschwister als Stadtpatrone, im Fuldaer Stadtwappen werden sie als drei Lilien dargestellt.

Ein Schild und eine Fahne mit jeweils drei Lilien hält auch der Simplicius im Lauterbacher Stadtwappen in Händen. Simplicius ist laut Gustav Stabernack in vorreformatorischer Zeit 1266 mit der Verleihung der Stadtrechte ins Lauterbacher Wappen gekommen. Fürstabt Bertho II. von Leibolz habe damit die Bedeutung Lauterbachs für die Abtei unterstrichen. Mit der Reformation habe es dann zwar zwischen dem protestantischen Angersbach und Landenhausen und dem katholischen Gebiet um Müs und Bad Salzschlirf eine Konfessionsgrenze gegeben, die Straße von Lauterbach nach Fulda sei aber gleichwohl immer von großer wirtschaftlicher und kultureller Bedeutung gewesen, erst recht mit dem Wirtschaftsaufschwung nach dem Zweiten Weltkrieg. Gustav Stabernack mit Lebensmittelpunkten in Lauterbach und in Fulda kann sich da sehr gut mit Simplicius identifizieren, dessen Gedenktag der 29. Juli ist, der von den Katholiken in der Stadt Fulda als Hochfest gefeiert wird. Wie und warum der Römer Simplicius zu seiner mittelalterlichen Ritterrüstung gekommen ist, wusste indes niemand so genau zu erklären.

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