Rathaus-Sanierung: Variante V könnte die Lösung sein

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  • Juli 17, 2014

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Skizze: neuraum GmbH

17.07.2014 – LAUTERBACH

Stephan Mölig stellt Modelle vor / Neubau wohl vom Tisch / Gespräche mit Heimstätte

(bl). Das schier unendliche Kapitel könnte in absehbarer Zeit in Angriff genommen und abgeschlossen werden: die Sanierung des Lauterbacher Rathauses. Ein sehr wichtiger Schritt hin zu einer Lösung, die von allen Fraktionen getragen werden könnte, wurde am Dienstagabend bei der Sitzung des Wirtschafts-, Bau- und Planungsauschusses gemacht, bei dem die künftige Nutzung der Verwaltung breiten Raum einnahm.

Ausgangspunkt der Überlegungen waren verschiedene Anträge der Fraktionen gewesen. Stephan Mölig nannte die Sanierung des Rathauses einen „Schritt, der weit in die Zukunft greift“ und ging von einer Investitionssumme in Höhe von rund 2,6 Millionen Euro aus. Unter anderem werde das Gebäude komplett entkernt, die Decken und Böden entfernt und ein neues Dach werde gedeckt werden müssen. Rechnen könne man danach mit einer Einsparung von etwa 20 Prozent bei der Heizung und mit bis zu 15 Prozent beim Strom – insgesamt mit rund 30 000 Euro jährlich. Die Stadt könnte bei dieser energetischen Sanierung auf Fördermittel zwischen 400 000 und 800 000 Euro hoffen sowie mit einem Zuschuss zwischen 200 000 bis 400 000 Euro aus dem Programm „Stadtumbau West“, wenn hierfür ein Gesamtkonzept für die Innenstadt vorgelegt werde. Der Pferdefuß dabei: Die Fördergelder müssen bald beantragt beziehungsweise abgerufen werden, da Fristen Ende 2015 auslaufen.

„Es gibt verschiedene Gründe für die Rathaussanierung“, unterstrich Mölig. Zum einen werde es schwer werden, beim Denkmalschutz die Zustimmung für einen Abbruch zu bekommen, zum anderen könnte eine Sanierung Vorbildfunktion auch für die anderen Gebäudebesitzer am Marktplatz haben. Zudem sei der Planungsstand schon recht weit fortgeschritten, so dass ein Baubeginn im Frühjahr kommenden Jahres erfolgen könnte.

Der Lauterbacher Architekt stellte dann die Eckpunkte der so genannten „Variante V“ vor, die sich als denkbare Lösung herauskristallisieren könnte: Danach wird die Verwaltung komplett in den Gebäuden Marktplatz 12 und 14 untergebracht mit einer Gesamtfläche von rund 1600 Quadratmetern. Die städtischen Liegenschaften Hintergasse 3, An der Kirche 1 und die Stadtmühle sollten aufgegeben und der Sitzungssaal nicht mehr im Rathaus untergebracht werden. Vielmehr könnten stattdessen vielleicht das Hohhaus, Dorfgemeinschaftshäuser oder die Sparkassenaula genutzt werden. Die Touristinfo/Bürgerbüro könnten stattdessen im Erdgeschoss eingerichtet werden. „Es gibt natürlich auch Nachteile“, unterstrich Mölig und nannte hier beispielsweise die dann kaum vorhandenen Raumreserven und die fehlenden Abstellbereiche für den Tourismus (Utensilien für die Stadtführung), wobei da vielleicht das Gärtnerhaus einen Ersatz darstellen könnte.

Ein „Paket“ schnüren

„Die Gretchenfrage bei dieser Variante wird sein, was mit den anderen Gebäuden geschehen soll“, formulierte Mölig, der der Hintergasse 3 „sehr großes Potenzial“ bescheinigte, um sie für Wohnungen zu nutzen, und der die Stadtmühle als „sehr prägendes und wichtiges Gebäude“ bezeichnete, das irgendwie der Öffentlichkeit zugänglich bleiben sollte. Bügermeister Rainer-Hans Vollmöller hatte bereits zu Beginn der Sitzung von Verhandlungen gesprochen, die derzeit mit der Gemeinnützigen Heimstätten-Baugesellschaft geführt würden, mit dem Ziel, das „Paket“ mit den erwähnten Liegenschaften zu verkaufen. Die Stadtmühle, wo derzeit die Touristinfo untergebracht ist, könnte man dann aus diesem „Paket“ herausnehmen, sollte sich ein privater Investor finden. „Die Stadtmühle ist bei dem Ganzen eine variable Größe“, sagte der Verwaltungschef, der ein Gespräch mit einem möglichen Investor nannte, das aber noch nicht abgeschlossen sei. Ebenso wie auch die Verhandlungen mit der Heimstätte, bei der die Stadt 40-prozentige Eigentümerin ist, noch andauerten. Er sei aber hoffnungsfroh, so Vollmöller.

Für die Grünen sprach Daniel Schmidt von einem „sehr zielführenden Vortrag“, der auch wichtige Elemente des Quer-Denkens beinhaltete. Für seine Fraktion zog er einen Teil des Antrags zurück, der zum Ziel gehabt hatte, das alte Rathaus abzureißen und ein neues zu bauen -– was im Übrigen rund drei Millionen Euro kosten würde.

„Heute haben wir einen wesentlichen Fortschritt erzielt“, konstatierte Dr. Jens Mischak (CDU). Die publikumswirksamen Bereiche könnten im Erdgeschoss untergebracht werden – „so wie wir uns das vorgestellt haben.“ Dieses Konzept müsse weiter verfolgt werden, ein Abriss sei nun kein Thema mehr. Kernfrage sei, wie die Chancen zum Verkauf der genannten Immobilien stünden, damit kein Leerstand entstehe.

Hohhaus außen vor

Von einem „stimmigen Entwurf“ sprach für die SPD Cornelia Hentz-Döring, der Ausdruck dafür sei, „dass bald etwas passiert“. Weil sich aber auch ihre Fraktion noch Gedanken machen müsse, wurde vereinbart, dass die Verwaltung bis zur Stadtverordnetensitzung am kommenden Mittwoch aus den Anträgen und dem vorgestellten Konzept einen Beschlussvorschlag erarbeiten. soll. Kommt in absehbarer Zeit eine Einigung zustande, könnte Baubeginn im Frühjahr sein.

Das Hohhaus soll übrigens bei den Planungen zunächst außen vor bleiben, da eine Neukonzeption laut Mölig bis zu acht Jahre dauern und andere Planungen blockieren könnte. Hier seien grundsätzliche Fragen und ein Gesamtkonzept wichtig. Erste Weichenstellung könnte am 24. Juli ein Gespräch zwischen Museumsverein und den Fraktionen bringen.

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