Rathaus-Sanierung: „Wir sind im Soll“

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  • Dezember 10, 2015

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LAUTERBACH – 10.12.2015

Neuraum-Architekten informieren Ausschuss über Entwicklung der Sanierungsarbeiten / Dachstuhl „Marktplatz 12“ bereits erneuert

(cke). „Wir sind im Soll“- so lautete das Fazit der Architekten Stephan Mölig und Christian Diegelmann vom Büro neuraum vor den Mitgliedern des Wirtschafts-, Bau- und Planungsausschusses bezüglich der Sanierungsarbeiten im Rathaus. Nach dem Start der Arbeiten vor wenigen Wochen gaben sie einen ersten Überblick über den aktuellen Sachstand. Die beiden Gebäude Marktplatz 12 und 14 sind bereits große Baustellen, wie Bilder, die Projektleiter Diegelmann zeigte, belegen.

Im Fachwerkgebäude Marktplatz 12 ist die Sanierung des Dachstuhls bereits abgeschlossen, aktuell wird das Dach neu eingedeckt. Die Dämmung der oberen Geschossdecke ist hergestellt und die Sanierung des Fachwerks unterhalb der Dachfläche beendet. Bei den Arbeiten hätten sich, so Diegelmann, viele Problempunkte im Gebälk erst nach dem „Öffnen“ des Daches gezeigt, die bei der Stützkonstruktion für das neue Dach behoben werden mussten.

Vom einstigen Hauptverwaltungsgebäude – Marktplatz 14 – ist derzeit im Inneren nicht mehr viel übrig, so scheint es. Das Haus, das nach außen zwar eine Steinfassade hat, besteht im Inneren fast komplett aus altem Fachwerk, darauf verwies der Fachmann. Inzwischen sei das Gebäude komplett „entrümpelt“ und die Entkernung für Türen und den neu zu schaffenden Aufzug im Gange. Dass das Foyer im neuen Rathaus ein gänzlich anderes „Gesicht“ bekommen wird, lässt sich bereits schon jetzt erahnen. Die Durchbrüche im Erdgeschoss im Bereich des Flures zum ehemaligen Sitzungssaal sind im Rohbau erstellt. Wo früher der Schaukasten des Rathauses hing, ist der Durchbruch für eine Tür erfolgt, eine weitere große Öffnung vom Flur für den künftigen Bürgerservicebereich ist ebenfalls erstellt.

Aktuell laufen die vorbereitenden Arbeiten für die Fundamente des Aufzugsschachtes, der im Bereich der ehemaligen öffentlichen Toiletten seinen Platz haben wird. „Wir haben in der ersten Phase insgesamt fünf Gewerke beauftragt und liegen rund 80 000 Euro unter der Schätzung“, konnte Diegelmann als positive Meldung verkünden. Für Abbruch, Erd-, Beton- und Maurerarbeiten, Dachdecker, Gerüst und Holzbau seien rund 563 000 Euro veranschlagt gewesen, die tatsächlichen Kosten beliefen sich auf rund 484 000 Euro.

Insgesamt, so informierte Stephan Mölig, belaufe sich das Finanzierungskonzept für die Rathaussanierung auf rund 3,9 Millionen Euro. Derzeit gehen die Planer von tatsächlichen Kosten in Höhe von rund 3,7 Millionen Euro aus. Ein Puffer ist vorhanden, auch für unvorhergesehene Maßnahmen. Rund 670 000 Euro Fördermittel stehen für die Sanierung aus dem Stadtumbauprogramm zur Verfügung, 266 000 Euro aus dem Programm „Modernisierung von kommunalen Nicht-Wohngebäuden“ für den Marktplatz 14 und 77 000 Euro für das Gebäude Marktplatz 12. Zudem stehen zinsgünstige Kredite (mit 0,1 Prozent) der KfW-Bank von rund 865 000 Euro bereit und 2,1 Millionen Euro aus dem Investitionsfonddarlehen.

Mölig informierte zudem über das Brandschutzkonzept, das das Lauterbacher Büro Bauart erstellt habe und das die Gebäudeteile „in clevere Nutzungseinheiten“ aufteile. Die energetische Planung oblag dem Grebenhainer Ingenieurbüro EWT. Vorgesehen ist ein Pelletheizsystem, über das zwischen 70 und 80 Prozent des Wärmebedarfs abgedeckt werden solle. Den Rest übernehme ein Gas-Brennwert-System, auch im Hinblick auf eine mögliche Mitversorgung des Hauses An der Kirche 1, wie Mölig sagte. Eine Klimatisierung des Rathauses sei nicht vorgesehen, lediglich eine „Lüftung mit Rückkühlung“ für die Bereiche Empfang und Sitzungszimmer, das bisherige Ebelzimmer. Eine Abluftanlage gebe es im Bereich der Kopierer und Drucker. Wie der Wärmeschutz für die Gebäude im Sommer aussehen könne, werde gerade von den Fachingenieuren geprüft.

Der weitere Zeitplan für die Rathaussanierung sieht für das Frühjahr den Abbruch des alten und das Aufstellen des neuen Dachstuhls am Gebäude Marktplatz 14 vor. „Richtfest könnte Ende April oder Anfang Mai 2016 sein“, stellte Mölig in Aussicht. Ab Mai sollen die Fensterfassaden und Fassaden beider Häuser saniert werden. Ab Juni soll der Innenausbau erfolgen. Ein Jahr später, im Juni 2017 soll das neue Rathaus bezugsfertig sein, so das ehrgeizige Ziel.

Die Fassade des Rathauses, so informierte Mölig auf Nachfrage des CDU-Fraktionsvorsitzenden Dr. Jens Mischak, werde voraussichtlich „im roten Bereich“ und der Marktplatz 12 ein Putzbau bleiben.

Das Bild des Simplicius aus dem alten Sitzungssaal sei ebenfalls gut gesichert, konnte er beruhigen, Jörg Saller vom städtischen Bauamt, der die Rathaussanierung maßgeblich zusammen mit Hans-Helmut Möller für die Stadt betreut, sagte auf LA-Anfrage, dass das Standbild in einer eigens erstellten Kiste aufbewahrt werde, bis es seinen neuen Standort bekomme.
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