Rathaus-Sanierung: Rathaus nimmt Gestalt an

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  • Juli 24, 2017

RH_neuraum16(Foto: neuraum)

LAUTERBACH – 15.07.2017

Besichtigung durch Mitglieder des Stadtparlaments und des Magistrats

(Schobert) Staub, Plastikabfall, Leitern, Gerüste, Säcke mit Kalk oder Zement, Bohlen, Schläuche und viele Kabel. Das alles zeugte bei der Besichtigung der Rathaus-Baustelle davon, dass hier die Handwerker zugange sind.Bürgermeister Rainer-Hans Vollmöller hatte die Damen und Herren der Stadtverordnetenversammlung und seine Kolleginnen und Kollegen des Magistrats eingeladen, sich vor Ort ein Bild über den aktuellen Stand der Baumaßnahmen zu machen. Erläuterungen dazu gab es von Jörg Saller, aber auch dessen Kollege Markus Topf und Hans-Helmut Möller vom Parlamentsbüro beantworteten die eine oder andere Frage.

Für viele wichtig: Wann geht der Betrieb im Rathaus wieder los? Dazu erklärte der Bürgermeister, der Umzug solle bis November erfolgen. Danach werden die bis jetzt genutzten Gebäude in der Hintergasse so hergerichtet, dass dort übergangsweise einige Mitarbeiter des Finanzamtes ihre Büros bekommen (der LA berichtete am Mittwoch). Das sei eine gute Sache, bei der die Stadt auch noch moderate Einnahmen erziele. Die Gesamtkosten der Baumaßnahme betragen etwa 3,75 Millionen Euro. „Wir liegen damit rund 30 000 bis 50 000 Euro über dem Ansatz, sagte Vollmöller und nannte als Grund einige nicht vorgesehene Maßnahmen, unter anderem Brandschutz.

Viele Glaselemente

„Wir verzichten auf Helme, Sie sollten aber Vorsicht walten lassen“, sagte Jörg Saller, als er die Gruppe ins Foyer im Erdgeschoss führte. Später, als die besonders Interessierten auch einen Blick ins Dachgeschoss werfen wollten, mahnte der Bürgermeister ganz besonders um Achtsamkeit. Wer wollte, konnte eine Leiter hinaufsteigen und war dann von der Größe des Raumes überrascht, der sich vor ihm auftat. Hier werden Regale für ein Archiv aufgestellt, das mit einer Wendeltreppe zu erreichen sein wird. Dort wird auch die Technik untergebracht.

Dank der vielen Glaselemente ist es in allen Etagen hell, sehr hell. Der Hintereingang (wie bisher) für das Personal bleibt bestehen, der Haupteingang wird in den nächsten Wochen eine neue Türe bekommen. Hier hat der Denkmalschutz ein Wörtchen mitgeredet. Zusätzlich gibt es auf der Seite zur ehemaligen Apotheke hin einen weiteren Eingang. „Barrierefrei“, betonte Saller. Von dort aus kommt der Besucher direkt zum Aufzug, der ihn auf die verschiedenen Ebenen bringt. Hier befinden sich auch die öffentlichen Toiletten.

Im ehemaligen Sitzungssaal wird eine Thekenlandschaft eingebaut – für maximal drei Arbeitsplätze. Für sensible Angelegenheiten gibt es abgesetzt weitere Beratungspunkte. Von dem großen Raum aus geht es direkt ins Haus Marktplatz 12, wo das Ordnungsamt (wie seither) untergebracht wird. Das alte Treppenhaus mit der Holztreppe bleibt erhalten und führt zwei Stockwerke höher. Hier sorgt die modernste Technik im Brandfall für eine Abschottung durch einen Rauchschutzvorhang.

Viel Technik wird installiert. Derzeit noch sichtbar durch die vielen Kabel in Schächten, unter den Decken und an den Wänden. Wärmeschutzverglasung, Verschattung, Lüftung und Rückkühlung waren einige Maßnahmen, die Saller aufzählte. Die moderne Gebäudetechnik lässt kaum Wünsche offen, sie steuert auch die Heizung und das Licht. „Wir gehen davon aus, dass sich das finanziell bei den späteren Kosten positiv bemerkbar macht“, sagte er.

Im ersten Obergeschoss wird das „Ebelzimmer“ vom Zuschnitt her nicht verändert, nur die Türe wurde vergrößert. Es wird als Besprechungsraum verwendet. Auf der Seite, auf der sich früher diverse Pläne hinter Glas befanden, wird ein Flachbildschirm aufgehängt und am Server angeschlossen. Mit dessen Hilfe können die verschiedenen Sachverhalte dargestellt und Pläne gezeigt werden. Da sich in diesem Raum auch schon mal viele Menschen aufhalten, bekommt dieser eine Lüftungsanlage. Für die Beleuchtung wird laut Jörg Saller nahezu überall LED-Technik verwendet. „Im ganzen Haus gibt es WLAN“, ergänzte Hans- Helmut Möller.

In jedem Geschoss gelangt der Besucher von der Treppe direkt geradeaus ins Vorzimmer der Fachbereichsleitung, die im Büro linkerhand sitzt. Die Gauben im Dachgeschoss wurden in Richtung Hintergasse vergrößert, das bringt wiederum mehr Licht in die „nun vollwertigen Büroräume“. Nach vorne hin hat sich hier nichts verändert. Auf dieser Ebene befinden sich die Finanz- und IT-Abteilung. Einen Stock tiefer ist das Bauamt untergebracht. Da hier besondes viel kopiert wird, auch mit Plotter, gibt es in einem Raum einen Unterdruck, der bewirkt, dass der Kopierstaub sofort abgesaugt wird.

Alte Elemente integriert

Statisch erfolgten keine großen Eingriffe. Viele alte Elemente wie Fachwerk-Balken, Wände oder die Holztreppe wurden in die Maßnahme integriert. In den nächsten Tagen wird die Farbe des Obergeschoss-Außenputzes auf der Marktplatzseite mit dem Denkmalschutz abgesprochen. Über die Möblierung der Räume hat es Gespräche mit den Mitarbeitern gegeben, die alle eine neue Einrichtung bekommen sollen. „Nur ich werde meinen alten Schreibtisch behalten“, sagte der Bürgermeister.

Zu Beginn der Besichtigung hatte er einen Artikel der Oberhessischen Volkszeitung vom 24. Januar 1987 „Vor 70 Jahren kritisiert: Die ,Mißgeburt‘ im ,Zwitterstil'“ verteilt. Darin ging es um einen Text von Franz Como in der Verkehrsvereins-Broschüre „Lauterbach und Umgebung“. In dem beklagt dieser den Abriss des zweigeteilten und zweigiebeligen Rathauses. An dessen Stelle sei nach 1870 „diese Mißgeburt“, ein Ding mit riesigen Fenstern, diesem Hauseingang mit der unverschämten Breite, dem Zwitterstil von Gothik und Renaissance errichtet worden. „Wie man sieht, hat man sich zu allen Zeiten über die Art und Weise einer Rathaussanierung beschwert“, so der Kommentar des Bürgermeisters.

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Jörg Saller (Zweiter von rechts) erläutert die Baumaßnahmen.

(Foto: Schobert)

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