Hilfen unter einem Dach: Haus am Kirschberg rückt näher an Lauterbach Innenstadt

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  • März 09, 2018

neuraum_p062_01Erläuterungen zum Bauvorhaben gaben Hans Heinrich Ritz, Tobias Hoffmann (Mitte) und Cornelia Dilly. Foto: Stoepler

neuraum_p02_02Entwurf: neuraum

LAUTERBACH – 08.03.2018

Stationäre und ambulante Betreuung für hilfebedürftige Kinder und Jugendliche im Haus an der Cent 2


(ws) Das Haus am Kirschberg wird größer und rückt näher an die Lauterbacher Innenstadt. Bisher ist die Einrichtung der Jugendhilfe des Trägervereins “Hilfe für das verlassene Kind” mit seinem Gebäudekomplex unweit der Landstraße nach Schlitz bekannt, wo auf dem Gelände eines ehemaligen Hotels ein Unternehmen in stattlicher Größenordnung entstanden ist. Die nächste Erweiterung des sozialpädagogischen Angebots ist nun an der Cent geplant. Die Verantwortlichen der Jugendhilfeeinrichtung informierten nun die Nachbarn am Rande der Altstadt über ihre Pläne und standen für Fragen zur Verfügung.

Auf dem früheren Firmengelände von Stahlbau-Otterbein, wo noch in der ersten Nachkriegszeit das Arbeitsamt und zuletzt vor dem Umzug in die Obergasse das Foto-Studio Schwab zu Hause waren, entsteht nun ein Komplex für “integrierte sozialpädagogische Hilfen im Sozialraum” mit dem Titel “Hilfen unter einem Dach (HueD”).

Helmut Benner, der stellvertretende Leiter des Kreisjugendamtes, erläuterte kurz das neue Konzept, in das auch die Eichhof-Stiftung mit einem Neubau auf dem Gelände der früheren Lauterbacher Stadtgärtnerei eingebunden ist (der LA berichtete in seiner gestrigen Ausgabe). Der Vogelsbergkreis ist in vier Sozialräume aufgeteilt, wobei der Sozialraum Ost, Lauterbach, Lautertal, Schlitz und Wartenberg umfasst. Arbeiteten früher verschiedene Bereiche der Jugend-, Familien- und Sozialhilfe eher nebeneinander, wird heute auf eine Bündelung und Vernetzung der Hilfsangebote Wert gelegt.

Ein weiteres Anliegen ist es auch, Kinder und Jugendliche nicht aus ihrem sozialen Umfeld herauszureißen und etwa bei Unterbringung in einem anderen Bundesland von ihren Familien zu entfernen, sondern Hilfen heimatnah anzubieten. Dies sei verbunden mit einer Stärkung der Familien, da Vater und Mutter auch bei eigenen Problemen weiter Kontakt zu ihren Kindern halten können und nicht aus ihrer Verantwortung entlassen würden. Wenn kurzfristig eine Unterbringung außerhalb der bisherigen Wohnung nötig sei, solle dies möglich gemacht und eine Rückkehr auch stufenweise nicht auf Hindernisse stoßen.

Im früheren Geschäftsgebäude wird schon gearbeitet, der Bauantrag ist genehmigt, die Pläne für einen Neubau auf der freien Grundstücksfläche daneben sind frisch eingereicht und wurden von Geschäftsführer Tobias Hoffmann, pädagogischer Leiterin Gerhild Hoos-Jacob, Projektleiterin Cornelia Dilly und Christine Eisler (allesamt vom Haus am Kirschberg) sowie Hans Heinrich Ritz vom Trägerverein erläutert.

Der neue Gebäudekomplex soll neun Plätze zur stationären Betreuung für Kinder und Jugendliche bekommen, ein Krisenzimmer soll zur Verfügung stehen, um notfalls von einem Tag auf den anderen Hilfestellung geben zu können. Neun weitere Plätze stehen für ein tagesstrukturiertes Angebot zur Verfügung, 21 ambulante Angebote richten sich an Kinder, Jugendliche und deren Familien im Sinne der sozialpädagogischen Familienhilfe. Die Einrichtung ist den Informationen zu Folge rund um die Uhr mit einer Fachkraft besetzt, in Spitzenzeiten sollen rund sechs Mitarbeiter zur Verfügung stehen, womit die Parkplätze im rückwärtigen Teil des Grundstückes ausreichten. Die laufenden Kosten, jährlich etwa eine Million Euro, würden aus einem Budget aus Mitteln des Kreishaushaltes gedeckt, wobei Experten davon ausgehen, dass die standortnahe Unterbringung und Betreuung dem Kreis höhere Ausgaben für die Belegung auswärtiger Heimplätze erspare.

Fragen der Nachbarn hatten die Verkehrssituation im Blick. Eine weitere Fußgängerampel im Eingangsbereich, wo früher einmal ein Zebrastreifen gewesen sei, sei an einer Bundesstraße unwahrscheinlich. Ketten am Bürgersteigrand sollten verhindern, dass Kinder und Jugendliche unter die Räder kämen, und sicherstellen, dass auf dem Weg in die Stadt der vorhandene Übergang Richtung Brauerei genutzt werde. Der Neubau reduziere in der Lessingstraße den Verkehrslärm von der Bundesstraße her, hieß es weiter. Am Zustand derzeit verpachteter Hallen werde sich nichts ändern, mit den Kleingärtnern werde überlegt, wie der vorhandene Garten auch pädagogisch genutzt werden könne. Und schließlich solle die Einrichtung auch ein offener Treffpunkt sein, in den Jugendliche ihre Freunde mitbringen könnten.

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