Haus am Kirschberg: Im Neubau entstehen weitere Plätze für Mütter und Kinder

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  • November 01, 2016

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Foto: neuraum

LAUTERBACH – 01.11.2016

Dr. Jens Mischak besucht das Haus am Kirschberg


(red) Das Haus am Kirschberg in Lauterbach mit inzwischen hundert Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist seit Jahrzehnten fester Bestandteil der Vogelsberger Trägerlandschaft von Jugendhilfeeinrichtungen.Dort werden neben weiteren Betreuungsformen junge Mütter mit ihren Kindern rund um die Uhr pädagogisch betreut, erfahren Hilfestellung nicht nur in Erziehungsfragen, sondern auch im Hinblick auf ihre berufliche Zukunft. Jugenddezernent Dr. Jens Mischak besuchte die Einrichtung, um mit Vorstand und Geschäftsführung zu sprechen und sich beim Rundgang einen Eindruck zu verschaffen. Themen waren auch das neue sozialräumliche Konzept „Hilfen unter einem Dach“ und das Pflegekinderwesen.

„In den vergangenen drei bis vier Jahren hat der Austausch unter den Trägern der Jugendhilfe nochmal zugenommen“, stellte der Vorsitzende Bodo Kester fest, „der sozialräumliche Ansatz hat viel damit zu tun, dieses Konzept ist gut und richtig.“ Der Bedarf an Plätzen für junge Mütter sei innerhalb der letzten zehn Jahre bundesweit um das Dreifache gestiegen auf rund 100 aktuell. „Diese jungen Frauen um die 20 befinden sich oft in schwierigen Situationen, sind mit der Kindererziehung restlos überfordert und besitzen kein Erziehungswissen“, zählt der pädagogische Leiter Henner Conrad auf. Das Haus am Kirschberg ist derzeit das Zuhause für junge Mütter aus den Regionen Fulda, Vogelsberg, Gießen und Rhein-Main. Die Aufenthaltsdauer variiert, „von Tagen bis Jahre“ sei alles möglich.

Tagesgruppen oder sogenannte „teilstationäre Angebote“ nähmen zusehends ab, auch zeige sich eine Entwicklung hin zu Kindern mit massiven seelischen und auch körperlichen Behinderungen. Das Angebotsspektrum reiche daher von tagesstrukturierenden Maßnahmen für die jungen Mütter über Elternarbeit und das Vermitteln von Erziehungskompetenzen bis zur Betreuung der Kleinkinder während des Schulbesuchs oder der Ausbildungszeiten der Mütter.

Auf dem Gelände der Stammeinrichtung am Kirschberg entsteht gerade für rund 1,7 Millionen Euro ein Neubau mit acht Plätzen für Mütter mit Kindern im Rahmen einer kurzzeitigen stationären Intensivbetreuung. In dieser Zeit sollen geeignete Anschlussmaßnahmen durch Clearing und Kompetenztraining vorbereitet werden. Zur Umsetzung des kreisweit abgestimmten sozialräumlichen Konzepts „Hilfen unter einem Dach“ werden zunächst ebenfalls in dem Neubau weitere acht Zimmer für Kinder und Jugendliche mit stationärem Betreuungsbedarf vorgehalten.

Ein weiterer Schwerpunkt ist das Pflegekinderwesen: Das Haus am Kirschberg kümmert sich gemeinsam mit dem Pflegekinderdienst des Jugendamtes derzeit verstärkt darum, interessierte und geeignete Familien zu akquirieren und zu schulen. Der Vertrag mit dem Jugendamt läuft zunächst bis Ende 2018 mit dem Ziel, die Zahl der Pflegestellen im Kreis spürbar zu erhöhen und damit die derzeit noch bestehende Lücke bei entsprechendem Hilfebedarf zu schließen.

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Zum Hintergrund
Mit dem Haus für Kinder reagiert das Haus am Kirschberg auf die gesellschaftlichen Gegebenheiten in der Arbeit mit alleinerziehenden Müttern. Und möchte hier auch neue pädagogische Wege gehen. Viele Frauen seien von Verarmung und Überschuldung betroffen, was zu einer Gefährdung der Kinder führen könne. Und um diesen Frauen gezielt zu helfen und sie intensiv zu betreuen, wurde ein neues Konzept entwickelt. Es soll eine hochkonzentrierte, individuelle Unterstützung von Mutter und Kind ermöglicht werden.