Haus am Kirschberg: Ein besonderes Projekt

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  • Juni 11, 2015

SAMSUNG CSCFoto (neuraum): Gemeinsam beim symbolischen Spatenstich: Bürgermeister Rainer-Hans Vollmöller, Bodo Kester, Manfred Pfeil, Christine Nies und Peter Zielinski (von links)

LAUTERBACH – 29.05.2015

Der eigentliche Baubeginn ist für Mitte Juli anvisiert


(ar) Der symbolische Spatenstich für ein Projekt, das es hessenweit so in dieser Form noch nicht gibt, wurde am Freitag gemeinsam gefeiert: Das „Haus am Kirschberg“ errichtet für 1,5 Millionen ein neues Haus für hochbelastete Mütter und Kinder, um ihnen ganz besondere Hilfe zukommen zu lassen.

„Dies ist ein großer Tag für uns“, begrüßte Christine Nies, Vorsitzende des Trägervereins, die zahlreichen Gäste. In direkter Nähe zum bestehenden Haus soll im kommenden Jahr „ein Gebäude entstehen, in dem noch mehr Hilfe für das verlassene Kind geleistet wird“. Dies sei, in Anlehnung an Neil Armstrongs Ausspruch, ein „kleiner Beginn für das ,Haus am Kirschberg‘, aber ein großes Ereignis für die Menschen, die später dort wohnen werden“. Ausdrücklich dankte Nies für die vielfältige Unterstützung, die die Einrichtung von zahlreichen Seiten habe erfahren dürfen.

Bodo Kester, Geschäftsführer des „Haus am Kirschberg“, erklärte das Konzept des Neubaus: Nicht nur als Mensch, sondern auch als Einrichtung müsse man sich stets weiterentwickeln. Und gerade in der Arbeit mit alleinerziehenden Müttern habe sich mit der Zeit viel verändert. Mit diesen veränderten gesellschaftlichen Gegebenheiten gelte es auch, neue pädagogische Wege zu gehen. „Der Bedarf nach stationären Hilfen ist nach wie vor da“, erklärte Kester, „aber die Frauen sind im Durchschnitt älter geworden.“ Während es sich bei der Klientel des Hauses zuvor meist um minderjährige junge Mütter gehandelt habe, gebe es mittlerweile verstärkt ältere Frauen ab 20 Jahren, die von wachsender Verarmung und Überschuldung – und dies bei fehlenden familiären Strukturen – betroffen seien. „Diese Mütter sind oft auf sich allein gestellt, Isolation ist meist die Folge“, so Kester. Und dies könne zu einer Gefährdung der Kinder dieser Frauen führen. „Wie gehen wir damit um?“, habe sich das „Haus am Kirschberg“ gefragt, ein eigenes Konzept entwickelt, mit Fachstellen weiter ausgearbeitet und mit der Unterstützung einiger Förderer nun in Angriff genommen.

Da diese Frauen aufgrund ihres Alters über andere Lebenserfahrungen verfügten, als die minderjährigen Bewohnerinnen des Hauses, hätten sich die Verantwortlichen für einen Neubau entschieden. Dort sollen die Mütter besonders intensiv betreut werden. Unter anderem werden die Frauen dort unter hohem personellen Aufwand betreut, und es wird mit ihnen abgeklärt, wie sich ihre Mutter-Kind-Bindung gestaltet und welche Hilfe sie konkret benötigen. „Solche Diagnostikbereiche gibt es zur Zeit in Hessen nicht, obwohl der Bedarf in Fachkreisen außer Frage steht.“ Zudem sollen vier Wohneinheiten mit Müttern mit Kind entstehen, die einzeln betreut werden. Dazu wird es noch einen dritten Bereich geben, in dem sich die Fachleute über einen Zeitraum von drei Monaten um Frauen mit „besonders unglücklicher Lebensgeschichte kümmern“, wie Kester erklärte. Auch hier drehe sich alles um eine hochkonzentrierte, individuelle Unterstützung von Mutter und Kind.

Neben allen inhaltlichen Konzepten geht es bei solch einem Großprojekt auch um die Frage der Finanzierung: „Die 1,5 Millionen stehen auf unterschiedlichen Finanzsäulen“, so Kester. Ein Teil bestünde aus Eigenmitteln, einer aus einer Erbschaft. Zudem habe die Annette-Helbig-Stiftung, Vorsitzender ist Manfred Pfeil, den Bau mit 100 000 Euro unterstützt (der LA berichtete).

Stephan Mölig, Chef des Architekturbüros Neuraum in Lauterbach, stellte im Anschluss die Struktur des Gebäudes und dessen Möglichkeiten kurz vor. Danach erfolgte der symbolische Spatenstich mit den Beteiligten seitens der Stadt, des Kreises, der Helbig-Stiftung und des „Haus am Kirschberg“. Der eigentliche Baubeginn ist für Mitte Juli anvisiert.

Den Reigen der Grußworte eröffnete Lauterbachs Bürgermeister Rainer-Hans-Vollmöller, der sich freute, das neue Angebot des Hauses unterstützen zu können. „Und die Gäste aus Wiesbaden und Berlin unterstreichen, wie wichtig die Politik diese Einrichtung nimmt.“ Staatsminister Axel Wintermeyer, Chef der Hessischen Staatskanzlei, bewunderte die „segensreiche und wertvolle Arbeit, die am Standort geleistet wird“, und unterstützte das Haus mit einem Scheck in Höhe von 500 Euro. Bundestagsmitglied Michael Brand (CDU) dankte stellvertretend für seinen Kollegen Rüdiger Veit (SPD) und Landtagsabgeordneten Kurt Wiegel (CDU) nicht nur für „diesen besonderen Tag, sondern auch für die restlichen 364 Tage, die Sie sich hier engagieren“. Erster Kreisbeigeordneter Peter Zielinski würdigte das „Haus am Kirschberg“ als verlässlichen Partner in der Jugendhilfe, der in vielfältigster Art engagiert sei. Auch Annelore Hermes vom „Paritätischen Hessen“ würdigte die Verantwortlichen als wichtige Partner, die aktiv Entwicklungen mitgestalteten.

Der Nachmittag klang noch unter dem Motto „Die Kirschberg-Stiftung und ihre Arbeit“ aus. Die Musik des Vormittages steuerten Poh Suan Teo und Christian Niedling von der Lauterbacher Musikschule bei.

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