Ehemaliges Amtsgericht: Viel Licht, Luft und grandioser Blick

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  • Oktober 06, 2017

neuraum_p046_16Architekt Stephan Mölig (links) und Norbert Jäger freuen sich über den tollen Blick auf die Stadt, den die Penthouse-Wohnung bietet. (Foto: Kempf)

LAUTERBACH – 30.09.2017

Umbau zum modernen Stadthaus fast beendet

Das ehemalige Amtsgericht ist nicht wiederzuerkennen. Das Gebäude, das Ende der 50er Jahre errichtet worden war und über Jahrzehnte den Charme dieser Zeit versprühte, ist zu einem schicken Stadthaus mit moderner Fassade geworden. Viel Glas wurde hier verbaut, um die vormals dunklen Räume und Flure hell und freundlich zu machen. Hier sollen in Kürze – im „Studienzentrum Vogelsbergkreis“ – Studenten der privaten Steinbeis-Universität Seminare und Vorlesungen besuchen. Der Umbau ist gelungen, das Ambiente bietet ihnen beste Voraussetzungen. Daneben sind im Gebäude Büroräume und mehrere Wohnungen entstanden.

„Lernen, Leben, Arbeiten“ – dieses Motto hat Hausherr Norbert Jäger für sein ehrgeiziges Bauprojekt formuliert. „Unsere Hochschule soll wie ein Konjunkturmotor wirken“, wünscht sich der Lauterbacher.Er ist einer der maßgeblichen Initiatoren der Hochschule und ein Unternehmer durch und durch. Vor knapp vier Jahren hatte der Gründer von Duo-Plast, dem weltweit erfolgreichen Hersteller von Stretch- und Verpackungsfolien, neue berufliche Wege mit der Gründung einer Unternehmensberatung, der Alpha GmbH, eingeschlagen. Sich weiter für die Region zu engagieren, hatte er damals angekündigt und Wort gehalten. Vor gut drei Jahren kaufte Jäger das seit Ende 2011 leer stehende alte Amtsgerichts-Gebäude, um darin eine Hochschule zu etablieren. Von der Idee bis zur Umsetzung war es ein langer Weg.

Mit rund drei Millionen Euro hatte er seine Investition beim Start der Bauarbeiten im vergangenen Jahr beziffert. Dass die höher ausfällt, als geplant, wird beim Rundgang über die „Noch-Baustelle“ offensichtlich. Noch wird an einigen Stellen im Gebäude gearbeitet. Mehrere Firmen gleichzeitig sind am Werk, damit Seminarräume, Hörsaal, Büros und Wohnungen rechtzeitig fertig werden. Schon in der ersten Oktoberwoche wird der erste Mieter in die Penthouse-Wohnung im neu geschaffenen Obergeschoss einziehen. In der zweiten Oktoberwoche will der erste Mitarbeiter der Steinbeis-Universität, Michael Konopka, sein Büro im Erdgeschoss beziehen. „Wir schaffen das“, zeigen sich Norbert Jäger und sein Architekt Stephan Mölig hoffnungsfroh. Noch in dieser Woche sollen die Endreinigungs-Arbeiten starten. Auch die Büro- und Seminarraum-Ausstattung für das Studienzentrum ist bereits geliefert.

Die Seminar- und Büroräume des „Studienzentrums Vogelsberg“ sind im Erdgeschoss untergebracht. Der ehemalige Gerichtssaal im ersten Stock des Hauses fungiert künftig als Hörsaal der Studenten. Hier sorgen große Glasfronten und eine moderne Licht- und Lüftungstechnik dafür, „dass keiner einschlafen kann“, flachst Jäger. Ebenfalls im ersten Stock sind weitere Büroräume entstanden, in die Mitarbeiter der Wirtschaftsförderung des Vogelsbergkreises und der Behindertenhilfe Vogelsbergkreis einziehen werden. Insgesamt vier Wohnungen gibt es im zweiten Stock und im neu geschaffenen Dachgeschoss, die nicht nur wegen ihrer modernen Ausstattung besonders sind, sondern auch wegen des malerischen Blicks auf die Stadt. Das alte Satteldach des Hauses ist einem gläsernen Flachdachaufbau gewichen. Sämtliche Wohnungen sind mit einer Loggia samt aufklappbarer Glasfront versehen.

Aufgestockt wurde auch der Gebäudeteil des ehemaligen Sitzungssaals, indem drei rund 45 Quadratmeter große Appartements entstanden sind. „Bis auf zwei Appartements sind alle Wohnungen vermietet“, freut sich Norbert Jäger. Das Interesse sei sehr groß gewesen, insbesondere an den zwei über 100 Quadratmeter großen Penthouse-Wohnungen mit „dem schönsten Blick auf Lauterbach“.

Aufgestockt wurde auch die alte Verbindungsbrücke zwischen Hauptgebäude und altem Sitzungssaal, sodass die beiden Gebäudeteile nun auch über das zweite Obergeschoss miteinander verbunden sind. Verändert wurde zudem das Treppenhaus. Das erste und zweite Obergeschoss wurden durch eine neue Deckenplatte voneinander getrennt. Die alte Treppe führt – rundum erneuert – nur noch bis in den ersten Stock, eine neue Treppe geht ins zweite Obergeschoss und Dachgeschoss und sorgt dafür, dass die Mieter vom Hochschul- und Bürobetrieb abgetrennt sind. Außerdem erschließt ein neuer Aufzug das Gebäude vom Keller bis unters Dach barrierefrei.

„Energetisch und technisch auf dem neuesten Stand ist das Gebäude. Eine Lüftungsanlage mit CO2-Fühler sorgt permanent für die richtige Temperatur in den Büro- und Seminarräumen“, erklärt Architekt Mölig. Sämtliche Fenster sind sogenannte Ventotherm-Fenster, die für eine Lüftung der Räume sorgen, ohne dass dafür eines geöffnet werden muss.

Die Energieversorgung läuft per Erdwärme und Fotovoltaikanlage auf dem Dach. Unterstützend steht bei Bedarf eine Gastherme zu Verfügung. „Eine autarke Versorgung hatten wir angestrebt, leider ließen die hessischen Gesetze nur eine 30-Kilowatt-Versorgung bei der Erdwärme zu“, kritisieren Mölig und Jäger. Doch trotz Schwierigkeiten wie diesen und anderen unvorhergesehenen Zeitverzögerungen sind beide froh über das Ergebnis – und Norbert Jäger betont: „Es ist das schönste Gebäude Lauterbachs geworden.“

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