ehemaliges „AKA“-Gebäude: „Bausteine“ für die Stadtentwicklung

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  • November 18, 2015

neuraum_AKA01Foto: neuraum

LAUTERBACH – 14.11.2015

Umbau des Wohnhauses „Rockelsgasse 17“ und des ehemaligen „AKA“ kurz vor Fertigstellung / „Anspruchvollstes Projekt“ in Lauterbach

(Von Claudia Kempf) „Es ist wirklich schön geworden. Das Ergebnis hat sich gelohnt“, resümiert Gustav Stabernack und zeigt sich zufrieden mit dem Baufortschritt seiner beiden großen Projekte – „AKA“ und „Rockelsgasse 17“ – in der Lauterbacher Innenstadt. Zusammen mit seinem Sohn Felix Stabernack, Projektleiter Klaus Jerabeck und Architekt Stephan Mölig öffnet er bei einem Ortstermin für unsere Zeitung die „Baustellentüren“.

Treffpunkt ist in der Rockelsgasse. Kurz vor der Fertigstellung stehen die Sanierung und der Umbau des Anwesens Nummer 17. Der Gebäudekomplex, der einst als Krankenhaus und später bis zu seiner Räumung wegen Hausschwamms als Wohnhaus genutzt wurde, stand unter Denkmalschutz, durfte aber in Teilen wegen des Verfalls abgerissen werden. Das alte Haus aus dem Jahr 1887 ist nach seiner Fertigstellung ein echtes Schmuckstück geworden. Vier Wohnungen in Größen von 53 bis 79 Quadratmetern können ab 1. Januar von den Mietern bezogen werden. „Es ist nur noch eine Wohnung frei“, betont Klaus Jerabeck, der beim Projekt Rockelsgasse für Planung, Projekt- und Bauleitung zuständig ist.

Im Jahr 2014 hatte die Stabernack Holding das Grundstück samt Haus von der Stadt gekauft, das wegen seiner Baufälligkeit ab 2001 leergestanden hatte. 14 Monate dauerten der Umbau und die Gestaltung der Außenanlage, die aus einem großzügigen Hof mit Parkflächen und einem Garten mit einer imposanten Linde mittendrin besteht. Nicht in die Umbauarbeiten einbezogen war laut Investor Gustav Stabernack das separiert stehende Gebäude der
ehemaligen Isolierstation: „Das hat ein Privatmann gekauft, der es sich selber herrichten wird.“ Das von Stabernack neu gestaltete Wohnhaus mit seinen hohen Räumen wurde laut Bauleiter Jerabeck gemäß der Anforderungen des Denkmalschutzes umgebaut und ausgestattet. Beibehalten wurden Ziegelmauer- und Basaltsteinsubstanz. Durch eine Teilverschindelung mit hoher Wärmedämmung habe der Bau sehr gute energetische Werte. Besonders seien auch die neuen Holzfenster, die das Gesamtbild der historischen Fassade abrundeten. Wichtig, so betont Felix Stabernack, Gesellschafter der Stabernack Holding, sei seiner Familie der Erhalt der alten Bausubstanz, was sich auch in der Restaurierung des alten Treppenhauses mit seiner urigen Holztreppe manifestiere. Beheizt wird das Haus mit einer modernen Gastherme.

Besuch im „AKA“

Weiter geht die Besichtigungstour zum Marktplatz, zum ehemaligen „AKA“-Kaufhaus, dem wohl schwierigsten Bau-Projekt der Stabernacks, betrachtet man die langen Diskussionen um dessen Verwendung und die Schwierigkeiten, die sich nach dem Baubeginn offenbarten. „Es war ein langer Überlegungs- und Planungsprozess vom technischen Rathaus zum Wohn- und Geschäftshaus“, resümiert der zuständige Architekt Stephan Mölig und bezeichnet die Umsetzung durch die Stabernack Holding „als mutigen Schritt“. „Die Wirtschaftlichkeit war mehrfach in Frage gestellt“, bestätigt Gustav Stabernack. Aber letztendlich habe sich die Entscheidung, doch zu investieren als richtig erwiesen. „Wir haben mit einem hohen Qualitätsanspruch gebaut – mit Blick auf die Zukunft“, sagt Felix Stabernack über das Projekt, in das die Holding ingesamt rund 1,7 Millionen Euro fließen lässt.
Im März dieses Jahres begannen die Arbeiten am „AKA“, begleitet vom kritischen Blick der Öffentlichkeit. „Ich habe einige Briefe bekommen“, verrät Gustav Stabernack, was zeige, dass für die Lauterbacher das Objekt große Bedeutung besitze. Nach knapp sieben Monaten Bauzeit „stehen wir jetzt vor dem modernsten Bauwerk der Lauterbacher Innenstadt“, freut sich Felix Stabernack, der ebenso wie sein Vater großes Lob für Architekt Stephan Mölig findet. Insbesondere für die Gestaltung der Außenfassade. Mölig verrät, dass er sich dabei von der Umgebung inspirieren ließ und deshalb Jugendstil-Elemente habe einfließen lassen. „Wir haben jedoch eine freie Form der Gestaltung gewählt und nicht eine bestimmte klassische.“ Das neue Wohn- und Geschäftshaus sei ein eigenständiges Gebäude mit ganz modernen Bauteilen geworden, das sich jedoch harmonisch in das Marktplatz-Ensemble einfüge. „Und den Marktplatz optisch aufwertet“, wie Mölig findet. „Ein schönes Geschenk der Stabernacks für die Stadt.“

Im Frühjahr des kommenden Jahres sollen die insgesamt fünf Wohnungen, Büro- und Geschäftsräume bezugsfertig sein. „Durch einen Baustopp und die hohen Auflagen des Brandschutzes – „ein Riesenpaket“ – seien die Arbeiten rund drei Monate verzögert worden, bilanziert Gustav Stabernack kritisch, hat jedoch auch Positives zu vermelden: Mitte März werde im Erdgeschoss „ein Jungunternehmer“ mit einem Feinkostangebot sein Geschäft eröffnen. Und
er resümiert: Zwei Gewerbetreibende seien ihm fürs Erdgeschoss nach anfänglich großem Interesse wegen der Parkplatzsituation vorm Haus und des Verkehrsflusses abgesprungen. Noch frei sind in der ersten Etage des neuen Stadthauses rund 140 Quadratmeter Fläche, die sich bestens für
Büro- oder Praxisräume eignen. Vermietet sind alle fünf Wohnungen mit fantastischen Ausblicken auf Marktplatz und Altstadt, die sich auf die drei Obergeschosse sowie das Dachgeschoss verteilen. Eine „echte Herausforderung“ für den Architekten waren der Bau der Balkone für die Wohnungen in den Obergeschossen und der modernen Gaube im Dachgeschoss. „Insgesamt“, so zeigt sich Mölig überzeugt, sei der Umbau des ehemaligen Kaufhauses „das anspruchsvollste Projekt“, das es derzeit in Lauterbach gibt.

Attraktiven Wohnraum in der Innenstadt zu schaffen, ist für Stephan Mölig eine städtebauliche Herausforderung für die Zukunft. Gefordert sei hier insbesondere auch die Kommunalpolitik. Zu einer modernen Innenstadt mit hoher Lebensqualität zählt Mölig beispielsweise die Schaffung von Stellplätzen für Elektro-Autos und die Bereitstellung von E-Cars, die die Innenstadtbewohner gemeinschaftlich nutzen könnten. Dass sich neue Geschäfte auf dem Marktplatz ansiedelten, sei eher nicht zu erwarten. – Wohnen sei das Zukunftskonzept für den Marktplatz. Das Wohnen in der Innenstadt müsse für die Menschen interessant gemacht werden. Das unterstreichen auch Vater und Sohn Stabernack. „Mit Mut und Zuversicht“ habe ihre Holding die beiden Bauprojekte für eine notwendige weitere Stadtentwicklung geplant und umgesetzt. „Nach dieser Planungs- und Bauzeit haben wir als Bauherren sehr viel gelernt – wie aktuelle Verordnungen und Auslegungen im Denkmalschutz, Brandschutz und Bauvorschriften alle Sanierungspläne für Jahrhunderte gewachsene alte Bausubstanz durch die Enge alter Häuser zum großen Aufwand führen. Trotzdem haben wir für unsere Heimatstadt den Mut gefunden und sehen heute das Ergebnis, der Stadt bei der Weiterentwicklung geholfen zu haben“, betonen Gustav und Felix Stabernack, die hoffen, dass sich auch die Mehrheit der Bürger über diese „Bausteine“ freut.

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