Adolf-Spiess-Halle: „Knackpunkt“ ist der Brandschutz

  • 0
  • Mai 12, 2017

ASH_neuraum_11Im Saal der Adolf-Spieß-Halle erläutert Architekt Stephan Mölig, wie der neue Boden beschaffen sein und die Lüftung künftig funktionieren soll. Foto: Kempf

LAUTERBACH – 11.05.2017

Städtische Gremien besichtigen Grossbaustelle / 2,4-Millionen-Investition: 400 000 Euro bisher ausgegeben

(von Claudia Kempf) Entrümpelt, entkernt, kalt und staubig, so präsentierte sich Lauterbachs „gute Stube“ beim Baustellenrundgang der Lauterbacher Stadtverordneten, der Mitglieder des Seniorenbeirates und des Stadtjugendparlamentes.Die Adolf-Spieß-Halle wird derzeit saniert und soll laut Plan ab Ende des Jahres als moderne, multifunktionale Stadthalle zur Verfügung stehen. „Wir wollen uns gemeinsam ein Bild davon machen, wo derzeit die Knackpunkte liegen“, begründete Lauterbachs Rathauschef Rainer-Hans Vollmöller den Sinn der Begehung, bei der der städtische Projektleiter Jörg Saller und Neuraum-Architekt Stephan Mölig den Besuchern den aktuellen Sanierungsstand erläuterten.

„Knackpunkt“ ist derzeit der Brandschutz, wie Mölig erklärte. In dem Bereich müsse eine komplette Neuordnung erfolgen, wie sich bei genauer Untersuchung der Bausubstanz herausgestellt habe. Die Stellungnahme des Brandschutzplaners stehe noch aus, die erwarte er praktisch stündlich. Und bevor diese Maßnahmen nicht feststünden, mache es auch keinen Sinn, mit anderen Gewerken zu beginnen.
Wovon sich die städtischen Vertreter vor Ort bereits ganz gut ein Bild machen konnten: Der Eingangsbereich der Halle wird künftig heller und freundlicher. Eine wichtige Funktion kommt dem neugestalteten Foyer zu, das nicht mehr einem dunklen Schlauch gleichen, sondern in hellem, freundlichen Ambiente zum Verweilen einladen soll. Multifunktional soll es künftig genutzt werden. Im ehemaligen Gaststätten- und Garderobenbereich, entsteht ein offen zu nutzendes Raumensemble, das bei Bedarf aber auch abgetrennt werden kann. Die bisherige Küche bleibt Küche für künftige Caterer.

Sowohl im Untergeschoss als auch auf der Ebene des großen Saals wird es eine Zugangsmöglichkeit zum Außengelände geben. Vom Saal aus können Besucher künftig über einen Balkon mit transparenter Geländergestaltung und Treppenaufgängen nach draußen gelangen. Herausgerissen wurde im großen Saal der alte Boden, der aus Buchenplatten bestand und sehr anfällig für Feuchtigkeit war. Er weicht einem Eiche-Parkett. Erneuert wird der Aufzug, mit dem wie bisher der erste Stock barrierefrei erreichbar ist. Ein zusätzlicher Lastenaufzug wird im Bereich der ehemaligen Kegelbahn-Anlage gebaut, mit dem sowohl Stühle und Tische aus dem dann im Erdgeschoss befindlichen Lager als auch Equipment von künftigen Nutzern in den großen Saal und auf die Bühne transportiert werden können.

Komplett erneuert werden die bisherigen sanitären Anlagen im Untergeschoss. Neue barrierefreie Toiletten werden im Foyer entstehen. Im zweiten Obergeschoss werden künftig Sport- und Seniorengruppen Platz für Veranstaltungen finden. Büros und Besprechungsräume wird das Dachgeschoss Hausmeister und Verwaltung bieten.
Auch in die Gebäudetechnik wird laut Plan investiert: Die alte Gasheizung wird durch drei neue kaskadierende Gasbrennwertthermen ersetzt, Heizkörper und Heizungspumpen werden ausgetauscht und Leitungen „ertüchtigt und gedämmt“. Die Belüftungsanlage wird in Teilen durch eine effizientere mit Benutzerzonen ersetzt. Die bisher zentrale Warmwasserversorgung wird dezentralisiert. Was auch unter Hygienegesichtspunkten wichtig sei, wie Saller betonte, da Leitungen so punktuell regelmäßig gespült werden könnten.

Die alten Holzfenster aus dem Jahr 1986 mit ihrer Zwei-Scheiben-Verglasung bleiben ebenfalls größtenteils erhalten. In bestimmten Bereichen – wie im Erdgeschoss im ehemaligen Gaststättenraum – werden einige kleine Fenster durch bis zum Boden gehende ersetzt, um mehr Licht in die Räume zu bekommen.

Auch wenn sich derzeit wegen des noch fehlenden Brandschutzkonzeptes nicht viel tut, sieht der Zeitplan laut Saller und Mölig eine Fertigstellung der Halle bis Mitte November vor. „Ein ehrgeiziges Ziel, an dem wir festhalten wollen“, betonten beide, da das Förderprogramm einen klaren Zeitraum vorgebe. „Natürlich müssen wir, wenn die Brandschutzmaßnahmen feststehen, den Bauzeitplan neu schnüren“, sagte der Architekt auf Nachfrage aus der Runde. Was für die Ausschreibungen vorbereitet werden konnte, sei vorbereitet, der Neubau des Aufzugs sei schon beauftragt, die Firma stehe praktisch in den Startlöchern. Rund 400 000 Euro seien bisher ausgegeben worden. Wenn das Brandschutzkonzept genehmigt vorliege, könne es dann sehr schnell vorangehen. „Dann haben wir plötzlich fünf bis sieben Firmen gleichzeitig vor Ort“, stellte Mölig in Aussicht. Der vorgesehene Kostenrahmen werde aller Voraussicht nach eingehalten, versicherte der Architekt, aber auch hier spielten die Brandschutzmaßnahmen eine Rolle. „Natürlich werden die Kosten ständig überprüft und auch die Firmen wissen um die Ernsthaftigkeit der Vorgaben.“

Als nächste anstehende Maßnahmen nannte Mölig die für Elektro- und Lüftungsanlagen, für Trockenbauten, die Erstellung der Böden und die Gestaltung der Außenanlagen. Außerdem erfolge die Abstimmung mit der Denkmalbehörde bezüglich des Farbkonzeptes. Insbesondere im Saal soll laut Architekt durch die Wahl der Farben und Materialien eine „beeindruckende Szenerie“ geschaffen werden, betonte er. „Architekt Stephan Mölig will es schön machen“, ergänzte Bürgermeister Rainer-Hans Vollmöller am Ende des Rundgangs, was die Kommunalpolitiker mit Applaus quittierten.

DIE MASSNAHME
Die neue Adolf-Spieß-Halle soll sich künftig als eine multifunktionale Stadthalle präsentieren, die sowohl ein generationsübergreifender multikultureller Treffpunkt, Veranstaltungsort für Konzerte, Lesungen und Feiern sein und auch Raum für kleinere Sportgruppen bieten soll.

Bereits Ende 2017 soll Lauterbachs „gute Stube“ in neuem Glanz erstrahlen. Zur Erinnerung: Rund 2,4 Millionen Euro investiert die Stadt Lauterbach in einem Zeitraum von drei Jahren in die Halle. Der Löwenanteil der Gesamtmaßnahme, exakt „zweimillionenzweitausendsechshundert“ Euro, wird aus dem Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“ finanziert, für das sich die Stadt im November 2015 beworben hatte und seitens des Bundes ausgewählt worden war. 997 Städte und Gemeinden hatten sich um die insgesamt 140 Millionen Euro „für kommunale Infrastrukturprojekte mit besonderer sozialer und integrativer Wirkung“ beworben. Zu den 56 berücksichtigten Kommunen zählte die Stadt Lauterbach mit dem Projekt „Sanierung und Reaktivierung der Adolf-Spieß-Halle“. Ein „Glücksfall“ für Lauterbach, wie Vollmöller, der den Bundestopf aufgetan hatte, in der Vergangenheit immer wieder betonte.

© Lauterbacher Anzeiger 2017 | Alle Rechte vorbehalten | Vervielfältigung nur mit Genehmigung des Lauterbacher Anzeiger