Adolf-Spiess-Halle: „Es wird schön“

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  • Oktober 04, 2016

ASH_neuraum07Ein Lebensmittelpunkt für Lauterbach: Diese Funktion soll die neue Adolf-Spieß-Halle haben – das wünschen sich die Planer.
ASH_neuraum06An dieser Seite werden Balkon und Treppe entstehen.
Fotos: neuraum

LAUTERBACH – 01.10.2016

In der Adolf-Spieß-Halle laufen die Abbrucharbeiten / Enger Zeitplan für großes Projekt

(von Claudia Kempf) „Es wird schön“ – mehrmals wiederholt Lauterbachs Rathauschef Rainer-Hans Vollmöller diesen Satz beim Baustellen-Rundgang in der Adolf-Spieß-Halle. Nachdem Lauterbachs „gute Stube“ komplett ausgeräumt und entrümpelt ist, schließen sich nun Abbrucharbeiten an. An vielen Ecken der Halle staubt es gewaltig, da einige Wände weichen müssen, damit insbesondere das neue Foyer künftig heller und freundlicher wird.

Rund 2,4 Millionen Euro investiert die Stadt Lauterbach in einem Zeitraum von drei Jahren in die Halle. Der Löwenanteil, rund zwei Millionen Euro der Gesamtmaßnahme, werden aus dem Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend, Kultur“ finanziert, für das sie sich beworben hatte und seitens des Bundes ausgewählt worden war. Ein „Glücksfall“ für die Stadt, wie Vollmöller findet, bei dem die Stadt einfach zugreifen musste. Trotz zu erwartender Folgekosten von rund 90 000 Euro jährlich bei einer neuen Form der Bewirtschaftung, wie der städtische Projektleiter Jörg Saller den Lauterbacher Stadtverordneten vor deren Zustimmung zum Bau-, Betriebs- und Nutzungskonzept im Frühjahr ausführlich dargelegt hatte.Beim Rundgang durch die Halle betont Saller einmal mehr den „enormen Zeitdruck“, mit dem das Projekt umgesetzt werden müsse, denn der Geldgeber, das Bundesbauministerium, gebe der Stadt enge Spielregeln vor, nach denen noch in diesem Jahr rund 1,3 Millionen Euro ausgegeben werden müssen, rund 800 000 Euro im kommenden Jahr und der Rest bis Ende 2018. Und die gilt es unbedingt einzuhalten, da das Geld zwar in Aussicht gestellt ist, aber nur dann wirklich fließt, wenn alle Vorgaben eingehalten werden.

Abgedeckt sind Planungskosten, außerdem liegt laut Saller seit Ende August die von der Stadt beantragte Genehmigung für „einen vorläufigen Maßnahmenbeginn“ vor. So dass nun mit den Abbrucharbeiten begonnen werden konnte. In Kürze, so erläutern die Neuraum-Architekten Stephan Mölig und Christian Diegelmann, würden Gerüste gestellt und starteten Rohbauarbeiten sowie die für Heizung, Lüftung und Sanitär. „Es werden bald mehrere Firmen gleichzeitig hier arbeiten“, sagt Mölig.

Die neue Adolf-Spieß-Halle soll sich künftig als eine multifunktionale Stadthalle präsentieren, die sowohl ein generationsübergreifender multikultureller Treffpunkt, Veranstaltungsort für Konzerte, Lesungen und Feiern sein und auch Raum für kleinere Sportgruppen bieten soll.

Eine wichtige Funktion kommt künftig dem neugestalteten Foyer zu, das nicht mehr einem dunklen Schlauch gleichen, sondern in hellem, freundlichen Ambiente zum Verweilen einladen soll, wie Mölig betont. Multifunktional solle es künftig genutzt werden. Im ehemaligen Gaststätten- und Garderobenbereich, wo gerade noch Wände eingschlagen werden und Staub und Dreck vorherrschen, entsteht ein offen zu nutzendes Raumensemble, das bei Bedarf aber auch abgetrennt werden kann. Die bisherige Küche bleibt Küche für künftige Caterer. Sowohl im Untergeschoss als auch auf der Ebene des großen Saals wird es eine Zugangsmöglichkeit zum Außengelände geben. Vom Saal aus können Besucher künftig auf einem Balkon mit transparenter Geländergestaltung und Treppenaufgängen nach draußen gelangen.

Herausgerissen wurde im großen Saal bereits der alte Boden, der aus Buchenplatten bestand und sehr anfällig für Feuchtigkeit war. Er weicht einem Eiche-Parkett in Fischgrätmuster. Im Saal wird es künftig eine multifunktionale Theke geben. Erneuert wird der Aufzug, mit dem wie bisher der erste Stock barrierefrei erreichbar ist. Ein zusätzlicher Lastenaufzug wird im Bereich der ehemaligen Kegelbahn-Anlage gebaut, mit dem sowohl Stühle und Tische aus dem dann im Erdgeschoss befindlichen Lager wie auch Equipement von künftigen Nutzern in den großen Saal und auf die Bühne transportiert werden können.

Komplett erneuert werden die bisherigen sanitären Anlagen. Neue barrierefreie Toiletten werden im Foyer entstehen. Im zweiten Obergeschoss werden künftig Sport- und Seniorengruppen Platz für Veranstaltungen finden. Büros und Besprechungsräume wird das Dachgeschoss Hausmeister und Verwaltung bieten.

Auch in die Gebäudetechnik wird laut Plan investiert: Die alte Gasheizung wird durch drei neue kaskadierende Gasbrennwertthermen ersetzt, Heizkörper und Heizungspumpen werden ausgetauscht und Leitungen „ertüchtigt und gedämmt“. Die Belüftungsanlage wird in Teilen durch eine effizientere mit Benutzerzonen ersetzt. Die bisher zentrale Warmwasserversorgung wird dezentralisiert. Was auch unter Hygienegesichtspunkten wichtig sei, wie Saller betont, da Leitungen so punktuell regelmäßig gespült werden könnten.

Die alten Holzfenster aus dem Jahr 1986 mit ihrer Zwei-Scheiben-Verglasung bleiben ebenfalls größtenteils erhalten. „Sie werden überarbeitet und neu gestrichen“, informiert Christian Diegelmann. In bestimmten Bereichen – wie im Erdgeschoss im ehemaligen Gaststättenraum – würden einige kleine Fenster durch bis zum Boden gehende ersetzt, um mehr Licht in die Räume zu bekommen.

Bereits Ende 2017 soll Lauterbachs „gute Stube“ in neuem Glanz erstrahlen. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg, wissen Projektleiter Jörg Saller und seine Mitstreiter. „Wir schaffen das“, zeigen sie sich zuversichtlich und freuen sich auf eine neue Adolf-Spieß-Halle, die durch ihre vielschichtige Nutzung „große Strahlkraft“ für Lauterbach haben soll.

ASH_neuraum08Der wellige Boden aus Buchenplatten ist abgetragen.
ASH_neuraum09Wände weichen, damit aus der ehemaligen Garderobe und dem Gastraum ein multifunktionaler Raum wird.
Fotos: neuraum

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